Ein niedriges fensterloses Zweckgebäude aus Beton hinter einem Maschendrahtzaun, dahinter bewaldete Hügel
Teil 4 · Marktübersicht Schweiz Alle Angaben am 8. August 2026 bei den Anbietern abgerufen

Wer offene KI-Modelle in der Schweiz anbietet. Und was Sie danach noch tun müssen

Zehn Anbieter, drei sehr verschiedene Betriebsformen. Der Unterschied zwischen ihnen ist nicht der Preis, sondern die Menge Arbeit, die nach der Unterschrift bei Ihnen liegen bleibt.

Von Mike Jenke Lesedauer 6 Minuten Stand 10. August 2026
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KI-Einsatz im regulierten Umfeld, 4 Teile

  1. Teil 1 Was ist erlaubt?

    Merkblatt, Datenschutz, Amtsgeheimnis. Und was der Eigenbetrieb löst.

  2. Teil 2 Muss es das stärkste KI-Modell sein?

    Gemessene Leistung auf Verwaltungstexten, Lizenzen, Grenzen der Grösse.

  3. Teil 3 Der Kostentreiber ist selten das KI-Modell

    Cloud gegen Eigenbetrieb, Hardware, Strom, und ab wann es kippt.

  4. Teil 4 · hier Schweizer Anbieter, und was sie Ihnen nicht abnehmen

    Zehn Anbieter, drei Betriebsformen, und worauf Sie achten müssen.

Kurz gefasst

Zehn Anbieter mit Schweizer Bezug haben wir gefunden und belegen können, dazu acht weitere geprüft und wieder verworfen, weil sie kein einschlägiges Angebot führen. Vor der Liste steht die Unterscheidung, an der die meisten Vergleiche scheitern.

Fünf Begriffe, falls Sie hier eingestiegen sind

  • Modell. Ein Programm, das Text fortsetzt. Sie geben ihm eine Anweisung und einen Text, es gibt einen Text zurück. ChatGPT ist eine Bedienoberfläche für ein solches Modell, nicht das Modell selbst.
  • Offenes Modell. Ein Modell, dessen Dateien öffentlich heruntergeladen werden dürfen. Für Sie heisst das: Es lässt sich bei mehreren Anbietern betreiben und notfalls im eigenen Haus. Bei einem geschlossenen Modell wie ChatGPT gibt es genau einen Anbieter, und er bestimmt Preis, Verfügbarkeit und Abschaltdatum.
  • Oberfläche. Das Fenster, in dem Ihre Mitarbeitenden tatsächlich arbeiten. Ein Modell allein hat keine. Wer nur ein Modell einkauft, hat noch nichts, was jemand bedienen kann. An dieser Unterscheidung hängt der ganze Preisunterschied unten.
  • Grafikkarte. Das Bauteil, auf dem ein Modell rechnet. Der Name führt in die Irre, mit Bildschirmgrafik hat das nichts zu tun. Bei allen Mietangeboten unten steht diese Karte im Rechenzentrum des Anbieters, nicht bei Ihnen.
  • Zugangsschlüssel. Eine Zeichenfolge, mit der ein Programm ein Modell ansprechen darf. Wer nur einen Zugangsschlüssel kauft, hat noch keine Oberfläche, mit der jemand arbeiten kann.

Ausführlicher stehen diese Begriffe in Teil 1, die Kosten der drei Formen in Teil 3.

Drei Betriebsformen, und was sie für Sie bedeuten

Zwischen einem Sprachmodell und einer Mitarbeiterin, die damit arbeitet, liegen mehrere Schichten. Je nach Angebot bekommen Sie unterschiedlich viele davon.

FormWas am Montagmorgen passiertWas bei Ihnen liegen bleibt
1. Fertige Arbeitsoberfläche
AlpineAI, PeakPrivacy, Safe Swiss Cloud
Die Sachbearbeiterin öffnet im Browser eine Seite, die aussieht wie ChatGPT. Sie meldet sich mit ihrem Konto an, zieht ein PDF ins Fenster und schreibt: «Fasse mir das auf einer Seite zusammen.» Das Ergebnis kopiert sie in ihr Dokument. Nichts zu installieren. Schulung, interne Regeln, Freigabe der Datenkategorien. Wenn die Dokumente aus Ihrer Fachanwendung kommen sollen statt per Maus, ist das ein eigenes Projekt.
2. Modellzugang
Infomaniak, PHOENIQS, Safe Swiss Cloud
Nichts. Sie erhalten einen Zugangsschlüssel, eine Zeichenfolge, mit der ein Programm das Modell ansprechen darf. Es gibt keine Oberfläche und keinen Bildschirm, den jemand öffnen könnte. Die ganze Anwendung. Jemand muss eine Oberfläche bereitstellen oder eine fertige aufsetzen, sie mit dem Zugangsschlüssel verbinden, Anmeldung und Rechte regeln. Das ist ein Auftrag an Ihre Informatik oder an einen Dienstleister.
3. Gemietete Rechenleistung
Exoscale, cloudscale, Nine, AIVITY
Nichts. Sie erhalten einen Fernzugang zu einem Server mit Grafikkarte. Dieser Server steht im Rechenzentrum des Anbieters, niemand schickt Ihnen Hardware ins Haus. Alles ausser dem Blech: Modelldateien aufspielen, Bediensoftware installieren, Zugriffe und Protokollierung einrichten, Oberfläche stellen, Aktualisierungen einspielen, im Störungsfall reagieren.

Zwei Anbieter stehen in mehreren Zeilen, weil sie mehrere Formen anbieten: Safe Swiss Cloud verkauft sowohl eine fertige Chat-Oberfläche je Person als auch den blossen Modellzugang, Infomaniak sowohl den Modellzugang als auch Rechenleistung. AIVITY ist eine Zwischenform: Dort sind die Modelle bereits installiert, die Oberfläche fehlt aber. Swisscom bietet alle drei Formen an, veröffentlicht dazu aber keine Preise. Was die Formen kosten, steht in Teil 3.

Der Preisunterschied zwischen Form 1 und Form 2 ist keine Ersparnis. Eine fertige Oberfläche kostet für 60 Personen bis zu 4800 Franken im Monat, der blosse Modellzugang für dieselbe Arbeit rund 3 Franken. Die Differenz ist die Software, die Sie im zweiten Fall selbst stellen und betreuen. Wer nur die beiden Preise vergleicht, vergleicht ein Auto mit einem Motor.

Die Anbieter

Die Übersicht führt nur Anbieter, deren Angebot wir auf ihren eigenen Seiten belegen konnten.

AnbieterFormPreise öffentlichBemerkung
InfomaniakModellzugang, dazu Rechenleistungja Acht Sprachmodelle, darunter Apertus 1.5 70B. Eigene Rechenzentren in der Schweiz. Anfragen werden nach eigener Angabe weder gespeichert noch für Training genutzt.
Safe Swiss CloudFertige Oberfläche und Modellzugangja Die Oberfläche kostet CHF 35 je Person und Monat, bei Jahreszahlung CHF 30, mit einer Grenze von 250 Anfragen je Person und Tag. Damit ist sie rund halb so teuer wie die anderen fertigen Lösungen. Über 25 Modelle. Weist ISO-Zertifizierungen aus und erklärt Konformität mit den Auslagerungsvorgaben der FINMA sowie mit der EU-Verordnung DORA. Für den blossen Modellzugang gilt ein Mindestumsatz von CHF 95 im Monat.
PHOENIQSModellzugang, dazu Rechenleistungja Abrechnung in Credits, 1 Credit entspricht CHF 1, dazu ein Abonnement von CHF 50 im Monat. Wirbt mit Confidential Computing, also einem Verfahren, das die Daten auch während der Verarbeitung vor dem Betreiber abschirmen soll. Vorher Phoenix Technologies.
SwisscomModellzugang, Rechenleistung, Entwicklungsumgebungnein Betreibt Apertus 1.5 70B. Preise nur auf Anfrage, auch für den Vergleich in dieser Serie waren keine zu bekommen.
ExoscaleRechenleistungja Zum Standort: In der Schweiz stehen nur zwei der angebotenen Kartentypen, in Genf und in Dielsdorf. Die übrigen stehen in Wien und Frankfurt. Firmensitz Lausanne.
cloudscale.chRechenleistungteilweise Karten mit 96 GB, laut Anbieter unter CHF 2.20 je Stunde. ISO 27001 und ein Prüfbericht nach ISAE 3000. Preiserhöhung per 1. September 2026 angekündigt, ohne Angabe der neuen Beträge.
Nine.chRechenleistung, auf Wunsch mit Betreuungja Ab CHF 1104 im Monat. Zwei Standorte in Zürich. Hat die Infrastruktur für PeakPrivacy gebaut.
AIVITYRechenleistung mit vorinstallierten Modellenja CHF 390 bis 990 im Monat für eine geteilte Karte, CHF 1490 für eine dedizierte. Geteilt heisst, dass auf derselben Karte auch andere Kunden rechnen. Wer Datenhoheit als Begründung anführt, sollte das klären.
AlpineAIFertige Oberflächeja CHF 74 bis 80 je Lizenz und Monat, also je Person. Referenz Gemeinde Glattfelden. Als Modell namentlich belegt ist nur Mistral Large, das keine permissive Lizenz hat; bei einer fertigen Lösung liegt die Lizenzfrage beim Anbieter.
PeakPrivacyFertige Oberflächeja CHF 742 im Monat für zehn Personen, CHF 3325 für fünfzig. Weist je Modell aus, ob es in der Schweiz, in der EU oder in den USA läuft. Nur die Klasse «Swiss Daily» bleibt in der Schweiz, die stärkeren Modelle nicht.

Eigene Erhebung, alle Angaben von den Anbieterseiten, abgerufen am 8. August 2026. Geprüft und ohne einschlägiges Angebot: Green.ch, Hostpoint, Metanet, VSHN, SWITCH, Aveniq, ELCA und Adnovum. Das CSCS betreibt Apertus, bietet aber keine kommerzielle Schnittstelle; der Zugang läuft über Forschungsprogramme. Wir haben keinen der Anbieter um Stellungnahme gebeten. Preise und Angebote ändern sich schnell, diese Tabelle ist eine Momentaufnahme.

Die Kürzel in der Tabelle, kurz erklärt

  • ISO 27001 ist die verbreitete Norm für Informationssicherheits-Managementsysteme. Sie sagt, dass der Anbieter seine Sicherheitsprozesse geordnet und extern prüfen lässt. Sie sagt nichts darüber, wo Ihre Daten liegen.
  • ISAE 3000 ist ein Prüfbericht einer Revisionsstelle über ausgelagerte Prozesse. Nützlich, wenn Ihre eigene Revision wissen will, worauf sie sich beim Dienstleister verlassen kann.
  • FINMA-Vorgaben und DORA betreffen Banken und Versicherungen, nicht die Verwaltung. Für eine Gemeinde ist das kein Auswahlkriterium.
  • Als Ausschlusskriterium taugt keines dieser Kürzel allein. Entscheidend sind die vier Vertragspunkte weiter unten.

Firmensitz ist nicht Standort

Exoscale zeigt die Falle. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Lausanne und wird selbstverständlich als Schweizer Anbieter geführt. Von den angebotenen Grafikkarten stehen aber nur zwei Typen in der Schweiz, die übrigen in Wien und Frankfurt. Wer eine Instanz bestellt, ohne auf den Standort zu achten, hat seine Daten im EU-Ausland, obwohl der Vertragspartner in Lausanne sitzt.

Fragen Sie nicht nach dem Anbieterstandort, sondern nach dem Standort der konkreten Maschine, auf der Ihr Modell läuft. Bei der Bestellung wählen Sie Kartentyp und Region in einem Formular aus. Lassen Sie sich den Standort danach schriftlich im Vertrag zusichern. Eine Auswahl im Bestellformular ist keine vertragliche Zusicherung, und sie überlebt keinen Wechsel der Instanz.

Eine Gasse zwischen zwei Reihen geschlossener Serverschränke, Blick in die Fluchtlinie
Was Sie nie sehen werden: geschlossene Schränke in einem fremden Rechenzentrum. Deshalb zählt, was im Vertrag steht.

Was in den Vertrag gehört

Vier Punkte, unabhängig vom Anbieter

  • Verarbeitungsort, schriftlich. Nicht «Schweiz oder EU», sondern der Ort der Maschine, und eine Pflicht des Anbieters, Sie vor einer Verlagerung zu informieren.
  • Unterauftragsbearbeiter, namentlich. Art. 9 Abs. 3 des Datenschutzgesetzes verlangt Ihre vorgängige Genehmigung. Brauchbar ist eine Liste mit Namen und Standort und ein Widerspruchsrecht bei Änderungen. Ein pauschales «wir dürfen Unterbeauftragte einsetzen» genügt nicht.
  • Ausschluss der Nutzung für Training. Mehrere Anbieter sichern das auf ihren Seiten zu. Was auf einer Webseite steht, steht damit noch nicht im Vertrag.
  • Was bei Kündigung geschieht. Frist für die Rückgabe oder Löschung Ihrer Daten, Nachweis darüber, und ob Sie Ihre Konfiguration mitnehmen können.

Was wir empfehlen

Wählen Sie zuerst die Betriebsform, dann den Anbieter. Entscheidend ist, wer bei Ihnen eine Anwendung betreuen kann:

Kein IT-Personal im Haus, externer Partner auf Abruf. Das ist der Normalfall für Gemeinden. Nehmen Sie eine fertige Oberfläche, auch wenn der Preis je Person hoch wirkt. Drei Anbieter kommen dafür in Frage, und der Preisunterschied ist erheblich: Safe Swiss Cloud liegt bei CHF 35 je Person und Monat, AlpineAI bei 74 bis 80, PeakPrivacy bei rund 66 bis 74 je nach Stufe. Für 40 Personen sind das zwischen 17 000 und 38 000 Franken im Jahr. Lassen Sie sich von allen dreien eine Offerte für Ihre tatsächliche Zahl an Nutzenden geben, nicht für Ihren Personalbestand.

Eigene Informatik, die Fachanwendungen betreibt. Dann ist der Modellzugang deutlich günstiger und flexibler, weil Sie die Oberfläche ohnehin stellen oder anbinden können. Rechnen Sie den Aufwand dafür ein, bevor Sie die Preise vergleichen.

Beginnen Sie klein und ohne Personenbezug. Alle fertigen Oberflächen lassen sich testen, ohne dass jemand etwas installiert: Konto anlegen, ein Dutzend eigene Dokumente ohne Personendaten hineinziehen, zwei Nachmittage. Wenn Sie einen externen Partner haben, ist das trotzdem Ihre Aufgabe und nicht seine, denn die Ergebnisse müssen Ihre Fachleute beurteilen.

Und sprechen Sie mit einer Stelle, die es schon gemacht hat. Die Gemeinde Glattfelden ist die einzige namentlich belegte Referenz aus einer Schweizer Gemeinde, die wir in dieser Recherche gefunden haben. Ein Telefonat dorthin ersetzt mehrere Anbietergespräche.

Offenlegung

  • digitario berät Verwaltungen und Unternehmen bei Auswahl, Beschaffung und Einführung von KI-Systemen. Dieser Artikel endet mit einem Gesprächsangebot.
  • Er entstand ohne Auftrag, ohne Bezahlung und ohne Vorabeinsicht eines der genannten Anbieter. Keiner von ihnen hat Material geliefert, das nicht öffentlich abrufbar wäre.
  • Wo Angaben fehlen, etwa bei den Preisen von Swisscom, steht das im Text und ist kein Vorwurf.

Offene Fragen

Welche Betriebsform passt zu Ihrem Haus?

Die Frage entscheidet sich an Ihrer Informatik, nicht am Preis. In einem Erstgespräch schauen wir an, was Sie selbst betreuen können und was besser fertig eingekauft wird, und was daraus für die Ausschreibung folgt.

30 Minuten · kostenlos · direkt bei Mike Jenke
Stand dieses Artikels: 10. August 2026. Teil 4 einer vierteiligen Serie. Von allen Teilen veraltet dieser am schnellsten: Preise, Modellkataloge und Standorte ändern sich in diesem Markt im Monatsrhythmus. Prüfen Sie vor einer Beschaffung jede Angabe direkt beim Anbieter nach. Wir führen die Liste nach und weisen das Datum jeweils hier aus.

Quellen

  1. Eigene Erhebung. Sämtliche Angaben zu Infomaniak, Safe Swiss Cloud, PHOENIQS, Swisscom, Exoscale, cloudscale.ch, Nine.ch, AIVITY, AlpineAI und PeakPrivacy stammen von den jeweiligen Anbieterseiten, abgerufen am 8. August 2026.
  2. Eigene Erhebung. Geprüft und ohne einschlägiges Angebot: Green.ch, Hostpoint, Metanet, VSHN, SWITCH, Aveniq, ELCA und Adnovum. Das CSCS betreibt Apertus, bietet aber keinen kommerziellen Zugang an.
  3. Schweiz. Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG, SR 235.1), Art. 9 zur Auftragsbearbeitung · fedlex.admin.ch
  4. In eigener Sache. Die Kostenrechnung zu diesen Angeboten steht in Teil 3 der Serie · digitario.ch/artikel/open-weights-verwaltung-kosten
Mike Jenke
Mike Jenke digitario GmbH · Zürich

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